Auf Gummirollen in die Hölle Kennt Ihr das Geschrei einer Taube, wenn man sie beim Einparken zwischen Reifen und Gehweg einklemmt und dann mit Unterstützung der Servolenkung in einen blutigen Matsch verwandelt? Dieses Geräusch weckte mich aus den süßen Träumen von tabulosem Sex und funktionierenden Computern. "Ausgeburt der Hölle, Werk des Satans . . . " - ich rannte schreiend auf den Balkon. Da waren sie wieder. Meine Feinde. Aller Menschen Feinde. Rollerskater . . . . Ich rannte in das Schlafzimmer und zog unter dem Bett den schwarzen Koffer hervor. Das schwarz glänzende Metall funkelte lustig im Schein der schwarzen Kerzen. Ich war nur kurz unschlüssig : die UZI 9mm mit Zielfernrohr- zu dunkel, das AK-47 Sturmgewehr mit Restlichtverstärker ? Nein - zu leicht ! Heute abend wollte ich maximalen Spaß aus maximaler Feuerkraft . . . Das aus den USA importierte Scharfschützengewehr mit der 30-ger Optik. Das Magazin mit den oben eingeritzten Vollmantelgeschoßen (macht eine Höllenarbeit, hat aber einige nette Effekte) war in Augenblicken eingerastet. Übung macht den Meister! Die zwei Wochen Training in Belfast, gebucht über KillTours, hatten doch gelohnt. Ich rannte, so schnell es mir die heruntergelassene Hose erlaubte, auf den Balkon und legte das Gewehr auf den Rand der Brüstung. Warum braucht so ein Nachtsichtgerät eigentlich so lange zum Aufheizen? Ein Blick genügte : 5 mit Kampf-Platoue-Sohlen und messerscharfen Schlaghosen bekleidete minderjährige Penner setzten erneut an, in die Häuserschlucht einzufahren und brave Bürger wie mich bei der Verrichtung wichtiger menschlicher Bedürftnisse zu stören. Ungeziefer, Abschaum... Wichtig ist es, beim Zielen etwas vorzuhalten. Diese Wichser sind schneller, als man denkt. Will man etwas Spaß haben, sollte man nicht gleich einen Volltreffer landen, nein, Herauszögern ist wie bei gutem Sex der Schlüssel. Den ersten erwischte ich etwa in Höhe des türkischen Delikatessenladens. Ein leiser Plopp und es sah etwas ulkig aus, als der Penner quer über den Platz flog, sein Bein weiterrollte und mit den Gummirollen zwischen den Straßenbahnschienen hängenblieb. Ismir vom Türkenladen würde sich mal wieder über die versaute Scheibe beklagen, aber sei's drum. Den zweiten erwischte ich durch die Scheibe des 600er Mercedes SL, hinter dem er Deckung suchte. "Pech, wenn man im Halteverbot steht, da kann leicht was zu Bruch gehen!" lachte der Nachbar von unten hoch, gerade als er die Klavierseite auf Hochspannung gebracht hatte. Sekunden später kullerte ein Helm mit Füllung Nr.3 unter den Einsatzwagen der Polizei, die gerade das Nagelband über die Strasse rollte. Nagelbänder für Rollerskates, Sie hatten in den letzten Wochen nichts dazugelernt. Der Hauptkommissar hatte Tränen in den Augen vor Lachen, als die aufgebrachte Menge dem ersten Skater sein inzwischen von der Straßenbahn etwas deformiertes Bein samt Anhängsel in den After zwängte. Eine Menge Spass heute Nacht! Der vierte Outlaw stürzte in den Kanalschacht, als er sich nach den Überresten des zweiten umschaute. Mit Highspeed zimmerte er in das Loch, denn der Hausmeister des Altenheims gegenüber hatte unter Applaus der Insassen den Kanaldeckel herausgewuchtet. Die von der Stadtverwaltung im Kanalschacht angebrachten Sprengfallen funktionierten diesmal besser als damals in der Betaphase. Ein leichter Nieselregen aus Blut schimmerte im Licht der Suchscheinwerfer der GSG9-Hubschrauber, und fast glaubte ich einen Regenbogen zu sehen. Der fünfte Penner versuchte noch der Menschenmenge zu entgehen, er konnte allerdings nur schwer das Gleichgewicht halten, denn beide Arme hatte ihm die Oma aus dem 3. Stock mit dem Karabiner Ihres erst kürzlich im Bordell verstorbenen Mannes abgeschossen. Er wirkte etwas benommen, als er in den Stacheldrahtverhau raste, die die Kindergartentruppe letzten Sonntag mit Hilfe der Reservistentruppe gebastelt hatten. Brave Kinder.... Wir waren nun alle etwas müde und es wurde auch schon langsam hell. Ein letzter Gute-Nacht-Gruß an alle, ein Schulterklopfen hier und da, ein Händedruck, ich schloß das Fenster, denn die Straßenkehrer machten etwas Lärm, als sie die Überreste der nächtlichen Party in die von der Stadtverwaltung dafür vorgesehenen Behälter füllte! "War was, Schatz?" , fragte meine Freundin mit schlaftrunkenen Augen. "Nein, mein Hase, nur ein paar Skater". "Bitte weck mich aber, wenn nächstes Wochenende die Love-Parade hier vorbeikommt. Ich will das Geschenk von Mama ausprobieren." "Klar, mein Hase. Jetzt schlaf..." Zärtlich streichelte ich Ihr über den Kopf und schlief zwei Minuten später friedlich ein und träumte einen langen schönen Traum von einer Stadt ohne Plateoschuhe und Schlaghosen.