Der kleine Grashalm Da steht er, der kleine Grashalm kaum zu erkennen ist sein Grün. Er scheint sich im Stillen zu fragen: Kann ich nicht wie andre erblühn? Braun UND trostlos ist um ihn die Erde so öd, so kalt und so leer. Nur Steine, vertrocknetes Blattwerk, bloß braches Land um ihn her. Er hat Mut und Hoffnung verloren ist doch kaum zum Leben erwacht. Er spürt nicht den kommenden Frühling, ER hat Angst vor der Sonne Macht. Überhört ihn, den kleinen Vogel, der ihn im Vorbeifliegen streift. Die Welt scheint so endlos und leer ihm, daß Furcht ihn nun langsam ergreift. Er gleicht der verlorenen Seele, die aus deinem Ich du verjagt, gleicht ja der versunkenen Träne, die still sich darüber beklagt. Sie möchte doch rufen und schreien, doch voller Zweifel sie schweigt. Daß du nicht bereit bist zu hören, hast du oft genug schon gezeigt. Das Hälmchen bleibt nicht alleine, denn Regen und Tau es benetzt.. Wenn die Sonnenstrahlen es wärmen, dann sprießt es empor und es wächst. Neben ihm erstehn andere Blumen, weil das Land von Fleiß ist bebaut, überall erblüht neues Leben. Die Stimme des Frühlings wird laut. In die Flucht schlägt die Angst unser Grashalm, neue Hoffnung schöpft er und Mut. Und langsam wird um ihn sichtbar, daß Gottes Segen auf allem ruht. O Mensch, der du siehst dieses Wunder, geh nicht achtlos daran vorbei. Es ist ja ein Teil deines Lebens, es erschließt dir so mancherlei. Erkenn. die verlorene Seele, Öffne weit dein Aug und dein Ohr und lausche auf diese Stimme! Oder hast du vielleicht Angst davor? Versuch. die Natur zu begreifen mit ihren vier Zeiten im Jahr. Du bist auch ein Teil ihres Kreislaufs, ist dir das auch oft nicht recht klar. ^L Übers Land zieht mächtig der Sommer, unser Hälmchen wird durstig und dürr. War denn der Frühling nur ein Traumbild? Es wird an sich selber ganz irr. Sturm und Gewitter erlebt es, Tod und Bedrängnis im Herbst, Langsam erlischt seine Kraft nun, zum Samen geworden es stirbt. Im Frühling wird es wieder erwachen in einer neuen, vielleicht besseren Welt. Wird wieder zur Freude erblühen, wo fruchtbar Gottes Segen hinfällt. So versiegt auch deine Träne, vielleicht gießt neues Leben sie aus? O Menschenkind, sieh ihn, den Grashalm und versuche zu lernen daraus. Christine Kahlert ^L